Meist findet sich die Motivation der Menschen für politisches, bürgerschaftliches oder soziales Engagement im Bereich der persönlichen Betroffenheit. Was auch kein Wunder ist. Viele gemeinnützige Stiftungsgründungen haben daher auch ursächlich ihre Wurzeln in der persönlichen Betroffenheit des Stifters. Das war bei Daniela Appel ein wenig anders. Die promovierte Lübecker Musiklehrerin hat vielmehr eine Form von persönlicher Bestandsaufnahme gemacht und sich dereinst vor rund zehn Jahren gefragt, was sie ganz persönlich tun kann, um einen Lebensbereich, den sie nur unzureichend institutionell gefördert sieht, auf Dauer in ihrem lokalen Umfeld zu beleben.

Und der war auch schnell gefunden, umso mehr in diesem Bereich eine echte Lücke zu sehen war. Die Idee, eine selbständige und gemeinnützige Stiftung dafür zu gründen, kann man durchaus als ein wenig verwegen bezeichnen, denn ordnet man dies doch eher sehr wohlhabenden Menschen zu, die noch dazu über einen unterstützenden „Apparat“ verfügen, um sich derart formal mit einer Stiftung einzubringen. „Eigentlich hatte ich keine Ahnung wie man eine Stiftung gründet“, so Daniela Appel fröhlich, und daher waren in der Folge auch etliche Wege zu gehen, um Wissen und Unterstützung zu schaffen, damit das Projekt ein erfolgreiches wird. Und es wurde. Am 16. Februar 2016 wurde die Daniela-Appel-Stiftung amtlich errichtet, die heute über ein Vermögen von etwa 250.000 Euro verfügt und damit jährlich rund 10.000 Euro für Projekte einsetzt. Doch worum geht`s?

Der Zweck der Stiftung ist es Kindern und Jugendlichen mit Behinderung bis zum 21. Lebensjahr zu ermöglichen, beziehungsweise zu erleichtern, auf kulturellem, insbesondere auf musikalischem Gebiet aktiv zu werden und an kulturellen, insbesondere musikalischen Angeboten teilzuhaben. Bereits in den ersten drei Geschäftsjahren konnten daher auch dank Spenden mehrere Projekte unterstützt werden. Und die Spannweite der Fördermaßnahmen ist breit angelegt.

So wurde beispielsweise 2025 der Circus Charivari gefördert Der Circus arbeitet inklusiv mit Kindern und Jugendlichen, führt regelmäßig mit einem Musik- und Artistik-Ensemble Inszenierungen auf. Im Juli des vergangenen Jahres fanden drei Gastspiele des Circus Charivari gemeinsam mit dem Sinfonieorchester des Johanneums im Lübecker Theater statt: „Mittsommer – ein sinfonischer Circus“. Es wirken drei Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung mit, die während der Probenwochenenden und bei den Aufführungen Assistenz benötigen.

Circus Charivari; Foto:privat

Seit November 2022 fördert die Daniela-Appel-Stiftung den Klarinettenunterricht des sehbehinderten Levin. Daniela Appel konnte sich wiederholt bei Vorspielen von Levins musikalischen Fortschritten überzeugen.

Mitglieder der inklusiven Theatergruppe von Mixed Pickles haben erneut am inklusiven Theaterfestival „Klatschmohn“ in Hannover teilgenommen. Zur Unterstützung von fünf Jugendlichen mit Behinderung unter 21 Jahren während der Fahrt war eine pädagogische Assistenz notwendig, die Kosten hat die Stiftung übernommen. Dies sind nur einige Beispiele von Projektförderungen der Daniela Appel Stiftung.

Und schließlich fiel das Engagement auch außerhalb des unmittelbaren Wirkungsbereichs in der Hansestadt an der Trave auf. Und so wurde die Stiftung schließlich mit dem schleswig-holsteinischen Stifterpreis 2025 ausgezeichnet, der unter dem Dach der Diakoniestiftung Schleswig-Holstein und unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Daniel Günther vergeben wurde.

„Das außergewöhnliche persönliche Engagement der Stifterin hat uns überzeugt“ erläuterte Landespastor Heiko Naß die Entscheidung der Jury, der Daniela-Appel-Stiftung den ersten Preis zu verleihen. „Wir wünschen Ihnen, dass diese wunderbare, segensreiche Arbeit, die Sie leisten mit Ihrer Stiftung, und die schon so viele Menschen beglückt hat, noch viele weitere Kreise ziehen möge.“

Dieser Preis mag im Ausdruck seiner Wertschätzung für die engagierte Arbeit der Stiftung und insbesondere der Stifterin auch einen kleinen Anteil daran haben, dass Daniela Appel heute sagt: „Die Stiftungsgründung war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Wolfgang Henze